Jetzt aber wirklich (Test)

Ich veröffentliche meine erste Podcast-Episode per Podlove. Und es sollte einen abonnierenden Stream geben.


Avocado-Dip für Dummies

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Spontan habe ich mich dazu entschlossen, für einen Burgerabend einen Dip auf Avocadobasis zu kreieren. Es sollte fruchtig-scharf und frisch-exotisch werden. Eignet sich übrigens bestimmt auch als Dip für Kartoffeln, Kohlrabi oder Karotten.

Für das Rezept habe ich mal eine andere Form gewählt, als sonst üblich. Was mich nämlich beim Kochen immer ziemlich nervt: dass Mengenangabe nur in der Zutatenliste aufgeführt werden. Das ist toll für das Schreiben der Einkaufsliste, aber viele davon sind in der Küche ja bereits vorhanden. In der Praxis greife ich also zum Mehl oder Zucker oder was auch immer und Frage mich dann: Wieviel eigentlich? Dazu muss ich dann wieder in der Zutatenliste nachschauen, darf aber nicht vergessen, dass ich von den 175 Millilitern Milch einen Esslöffel für einen anderen Teil der Zubereitung aufheben muss. Das steht dann wieder in der Anleitung. Diese klassische Rezeptform empfinde ich daher als Mist. Ich will beim Kochen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit allen Angaben zum entsprechenden Zeitpunkt haben. Für den Einkauf sehe ich mir vorab das Rezept ohnehin an und überlege mir, ob ich die Zutaten variiere, je nachdem was ich bereits im Vorratsschrank habe.

So, jetzt aber in medias dip. Da es sich hier um einen Küchen-Jam handelt und ich die Zutaten nicht exakt abgemessen habe, gilt: abschmecken, abschmecken, abschmecken. Wer nicht gänzlich auf die Geschmacksnerven gefallen ist, sollte das hinbekommen. Weiter unten erkläre ich noch für Anfänger, wie das Abschmecken gelingt – ohne Kochausbildung.

So geht’s:

  • zunächst eine kleine Avocado schälen, entsteinen und in einer Schüssel mit der Gabel fein zerdrücken.
  • vermengen mit dem Saft einer kleinen Zitrone
  • einen Esslöffel Sherry hinzugeben, alternativ Madeira oder Portwein
  • etwa einen Esslöffel Honig unterrühren
  • mit je einem Teelöffel Zucker, mediteranem Kräutersalz und Curcuma würzen
  • schärfen mit einem Teelöffel Tabasco oder ähnlichen Chilisoßen
  • per Pfeffermühle die Schärfe nachjustieren, mit zusätzlichem Curcuma den Exotikfaktor

Die Mengen der Gewürze sind eher Mindestangaben, da könnt ihr nach eigenem Geschmack ruhig ein bisschen mehr Bumms drangeben. Sollte für vier Burger reichen. Ein paar Stunden durchziehen lassen, hilft jeder Art von Soße auf die Sprünge, also ruhig zeitig anfangen und abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

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Tipps zum Abschmecken: Wenn Dips/Dressings/Soßen zu schal schmecken, fehlt vermutlich Salz. Ist der Geschmack muffig oder staubig, muss mehr Säure dran. Fühlt sich das Ganze eher langweilig-mild an, darf es etwas mehr Schärfe sein. Gegen zu herben Geschmack helfen fruchtige Zutaten wie Saft, aber Vorsicht: Zitrusfrüchte bringen wieder Säure mit sich. Zu scharf? Milchprodukte löschen das Brennen. Zu salzig? Mit den nicht-würzenden Hauptzutaten (beispielsweise Öl, Quark, Avocado, Tomatenmark, Früchte) strecken. Eventuell wird der Geschmack dann insgesamt dünner und ihr müsst bei den übrigen Gewürzen noch nachlegen. Zu viel Salz lässt sich nur schwer retten, also lieber nach und nach zugeben und zwischendrin den Fortschritt testen. Zu sauer? Das zeigt das Prinzip deutlich: mit Zucker oder Honig das Gegenteil, also mehr Süße hinzugeben. Generell ist Abschmecken immer so ein Licht-und-Schatten-Feuer-und-Wasser-Ding. Alle Geschmacksrichtungen sollten vorkommen und je nach gewünschtem Ergebnis zueinander austariert werden. Probieren, fehlendes Gewürz hinzugeben, probieren, hinzugeben … bis es so schmeckt, wie ihr euch das vorgestellt habt.

Hilfe! Hacker haben mich mit dem Kongressvirus angesteckt

Ich war beim 30C3, dem Chaos Communication Congress in Hamburg. Noch während der Rückfahrt habe ich im Zug meine Eindrücke festgehalten. Den Text veröffentliche ich erst jetzt, da er ziemlich überschwänglich ausgefallen ist und ich erst etwas Abstand gewinnen wollte.

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Urlaub von der Realität

Ihr seid doch alle wahnsinnig!

Auf der Rückfahrt vom 30C3 von Hamburg nach Villingen schießt mir plötzlich dieser Satz durch den Kopf. Der große Hackerkongress des Chaos Computer Clubs ist vorbei, ich kehre in mein normales Leben zurück – der Schaden ist aber bereits angerichtet. Das wird mir jetzt erst klar.

Im Trubel der Hallen des Kongresszentrums CCH war keine Zeit nachzudenken: Hackspace, Seidenstraße und Bällebad, Keynote, Fnord News und Bullshit made in Germany, Mate trinken, vor überfüllten Sälen anstehen und verlaufen. Was für eine irre Erfahrung. Das schönste daran war aber eigentlich etwas anderes: Nette, äußerst offene Leute kennen zu lernen. 9000 Gleichgesinnte – super!

Der Sitzreihen-Hack

Wie gut sich eine solche Masse selbst organisieren kann ist beeindruckend. Der Kongress zeigt deutlich wie sinnlos staatliche Regulierung und Überwachung oft sind. Natürlich gibt es auch beim Communication Congress Regeln, aber die entstehen oft spontan, weil es gilt ein Problem zu lösen. Sie sind sinnvoll und deshalb halten sich alle daran.

Beispiel: volle Vortragssäle. Zuerst setzen sich alle wild verteilt hin und so entstehen immer große Lücken in den Reihen. aber bei manchen Talks ist der Andrang so groß, dass selbst die 3000 Plätze im Saal 1 nicht reichen. Auf den Treppen sitzen ist aus Sicherheitsgründen verboten. Bei anderen Veranstaltungen gäbe es viel Gedränge und am Schluss hätten ein paar Leute Pech und müssten draußen bleiben – obwohl längst nicht alle Sitze belegt sind.

Die Hacker machen das für sie vollkommen naheliegende: Sie defragmentieren den Saal. Das kennen sie von Festplatten, wo verstreut gespeicherte Dateien bündig aneinander gepackt werden, um die Performance des Speichers zu verbessern. Beim Kongress ist der erste Schritt aber noch einfacher: Auf den Hinweis der Organisatoren auf der Bühne hin, dass noch viele Interessenten vor der Tür warten, heben alle die Hand, die einen freien Platz neben sich haben. So sehen die Hereinströmenden sofort, wo sie sich hinsetzen können und die Engel – so heißen die freiwilligen Helfer –, wieviele Leute sie noch hereinlassen können.

Wenn es zu chaotisch ist, die Zeit drängt oder einfach zu viele große Lücken da sind, dann passiert es aber, dann wird defragmentiert. Alle stehen auf und rutschen durch, um die Lücken in den Reihen zu schließen. Damit liegen die freien Plätze jetzt alle außen an den Durchgängen und die Hinzukommenden Zuhörer haben sich schnell hingesetzt.

Was mich dabei richtig beeindruckt hat, dass alle sofort mitgeholfen haben. Alle Hände waren oben, alle haben ohne zu murren für andere Platz geschaffen. Es war einfach das Verständnis dafür da, dass es so für alle besser ist.

Bitte recht höflich (du)

Überhaupt möchte ich die Erfahrung, nur von mitdenkenden und höflichen Menschen umgeben zu sein, nicht missen. Du hast eine Frage? Frag jemand! Du bekommst garantiert eine freundliche Anwort. Du hast dich verlaufen, der Akku deines Smartphones ist leer oder du brauchst jemanden, der dir eine Batterie an eine Schaltung lötet? Kein Problem. Sehr schön war, wie ich bei einem mir völlig unbekannten Niederländer einen Talk auf seinem iPad mitschauen durfte. Wir saßen vor der Tür, weil der Saal G hoffnungslos überfüllt war. Danach philosophierten wir noch über Künstler, die von dummen Menschen mit Klagen überzogen werden.

Sogar die überall präsenten Hinweisschilder wie Wegweiser, Hinweise oder Markierungen haben nicht den Charme ses klassischen “Rasen betreten verboten”. Mein Favorit lautete sinngemäß: “Sprich die Engel bitte nicht mit ‘Sie’ an, das verwirrt sie.”

Soziale Konventionen, die dazu dienen Mächtige von Ohnmächtigen zu trennen, sind bei der CCC-Veranstaltung nicht gefragt. Macht hat hier nur, wer etwas macht. Dann können sich alle überlegen, ob sie mitmachen oder lieber etwas eigenes starten.

Da die Zahl der Räume begrenzt ist gibt es natürlich organisatorische Grenzen für diese Freiheit. Aber dafür ist das letzte Wort auch erst gesprochen, wenn der Talk beginnt (klingt ein bisschen paradox, ist aber schon richtig so). Der Fahrplan für die Veranstaltung ist nicht in Stein gemeißelt. Bis kurz vor knapp kann sich noch alles ändern: Uhrzeit, Ort, ob die Live-Übertragung in einen zweiten Saal gestreamt wird …

Waffen des Geistes + Respekt

Eine reine Pillepalle-Welt ist der Kongress aber keineswegs. Es gibt Diskussionen, Streit und richtigen Protest. Die Waffen in diesen Auseinandersetzungen sind jedoch Argumente, Humor oder Kunst. Und der Respekt vor anders denkenden, anders aussehenden oder sonst wie anderen Teilnehmern ist im Normalfall groß. Und das alles sorgt für eine extrem entspannte und damit kreative Atmosphäre.

Tja, die “Chaoten vom Computerclub” (frei nach Linus Neumann) haben mit dem Kongress eine eigene Welt geschaffen. Wie ich finde, eine bessere als die Version 1.0.

Und deshalb denke ich hier im Zug darüber nach, dass ihr alle wahnsinnig seid – ihr Hacker, Geeks, Chaoten. Denn jetzt will ich wiederkommen. Zum 31C3.

Ich muss einfach.

Disclaimer: Ich bin Mitglied im Chaos Computere Club. Dieser Blogbeitrag kann daher Spuren von Pflichtbegeisterung enthalten. Den 30C3 habe ich besucht, um als Journalist darüber zu berichten und gleichermaßen aus eigenem Interesse.